{"id":21,"date":"2019-09-10T20:51:50","date_gmt":"2019-09-10T20:51:50","guid":{"rendered":"http:\/\/hog-martinsdorf.de\/?page_id=21"},"modified":"2019-09-16T19:56:23","modified_gmt":"2019-09-16T19:56:23","slug":"geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hog-martinsdorf.de\/?page_id=21","title":{"rendered":"Geschichte"},"content":{"rendered":"\n<h2 id=\"ortsgeschichte\"> <strong>Entstehung der Ortschaft Martinsdorf<\/strong> <\/h2>\n\n\n\n<p>Als Gr\u00fcndungsjahr wird das Jahr 1290 angenommen, wobei man eher von einer \u201eAnlage\u201c spricht, denn nicht der gemeinschaftliche Entschluss der Ansiedler brachte die Gemeinde zustande, sondern der Will eines Einzelnen.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6nig Ladislaus, der Kuman (1272 \u2013 1290) schenkte oder verkaufte die Besitzung Martinsdorf dem Grafen Nikolaus von Talmesch. Der Graf verteilte den Boden an die zahlreichen Siedler.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ansiedler mussten jedoch Zinsen an den K\u00f6nig bezahlen, so wie es auch auf K\u00f6nigsboden \u00fcblich war.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr als zwei Jahrzehnte war die Gemeinde im Besitz von Graf Nikolaus von Talmesch. Martinsdorf wurde in dieser Zeit zu einer festgef\u00fcgten Ortschaft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Ortsname<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Name der Ortschaft ist wohl vom Personennamen Martin abgeleitet. Eine Ableitung vom Heiligen Martin kommt nicht in Frage, weil die Kirche dem Heiligen Kreuz und nicht dem Heiligen Martin geweiht gewesen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Martinsdorf sind folgende Benennungen urkundlich bezeugt:<\/p>\n\n\n\n<p>1303 Ecclesia Sanctae Brucis de Villa Martini<br>1319 Mortonfalva<br>1336 Mortunfolwa<br>1357 Villa Martini<br>1373 Villamartini<br>1408 Mertesdorf (Auf der R\u00fcckseite einer Urkunde ein handgeschriebener Vermerk:&nbsp;<em>Of den hatzert czu Mertesdorf<\/em>&nbsp;\u2013 so benannt von den Bewohnern)<br>1423 Mortensdorff<br>1489 Mertynsdorf<br>1492 Merteinsdorf<br>1495 Marthonfalva<br>1496 Mertersdorf<br>1509 Martonfalwa<br>1520 Martonfalva<br>1527 Marthontelke<br>1704 Martesdorf<br>1733 Mettisdorf<br>1738 Mertesdorf (Inschrift auf einem Kirchenkelch)<br>1770 Martinsdorff (Inschrift auf einem Kirchenkelch)<br>1854 Szasz Martinfalva, Martinsdorf, Metisdorf<\/p>\n\n\n\n<p>In verschiedenen Dokumenten finden wir f\u00fcr Martinsdorf auch die Benennungen: Mettersdorf, Mettesdorf, Martfaleu, Matesdu, Merisdor, Metis, Szasz Martonfalva, Marinium, Martinia (1741), Miertesdref, Miartesdref, Miartesderf.<\/p>\n\n\n\n<p>Unweit der Stadt Trier, in der N\u00e4he von Luxemburg, gibt es einen Ort, der Mertesdorf hei\u00dft. Da dieser Name 1408 in der obigen Liste vorkommt, k\u00f6nnte man vielleicht annehmen, dass ein Teil der Martinsdorfer aus jenem Ort ausgewandert ist. (Um die St\u00e4dte K\u00f6ln, Koblenz, Saarbr\u00fccken befinden sich \u00fcber 40 Ortschaften, deren Namen in Siebenb\u00fcrgen vorkommen!)<\/p>\n\n\n\n<p><em>Quelle: \u201eMartinsdorf \u2013 Eine siebenb\u00fcrgisch-s\u00e4chsische Gemeinde im Wandel der Zeit\u201c (Richard Waldemar Mildt)<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<h2> Geschichtlicher \u00dcberblick von der Gr\u00fcndung bis zur Gegenwart <\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Martinsdorf<\/strong>, s\u00e4chsisch&nbsp;<strong>Miartesdorf<\/strong>, lateinisch&nbsp;<strong>Villa Martini<\/strong>, ungarisch&nbsp;<strong>Sz\u00e1szmartonfalva<\/strong>, rum\u00e4nisch&nbsp;<strong>Metisdorf<\/strong>, nach 1945&nbsp;<strong>Metis<\/strong>, liegt 20 Kilometer s\u00fcdlich von Mediasch, 24 Kilometer von Agnetheln sowie 55 Kilometer von Hermannstadt entfernt.<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>1272-1278<\/strong>: K\u00f6nig Ladislaus IV. der Kumane von Ungarn schenkt das heutige Gebiet um Martinsdorf dem Gr\u00e4fen Nikolaus von Talmesch.<\/li><li><strong>1290<\/strong>: Martinsdorf wird von Graf Nikolaus angelegt.<\/li><li><strong>1290-1301<\/strong>: Unter Andreas III., dem letzten K\u00f6nig des Hauses Arpad, wird Martinsdorf als junge Gemeinde im Schelker Kapitel bezeichnet und damit urkundlich erw\u00e4hnt.<\/li><li><strong>1318<\/strong>: Die St\u00fchle Mediasch und Schelk gelten als Ausbaugebiet. 1319 sind die Rechtsverh\u00e4ltnisse von Martinsdorf noch nicht gefestigt. 1326 schenkt Graf Nikolaus die Besitzungen von Martinsdorf seinem Neffen Michael Paulus.<\/li><li><strong>1357<\/strong>: Pfarrer des Schelker Kapitels klagen um den Zehnten beim Bischof zu Wei\u00dfenburg.<\/li><li><strong>1364<\/strong>: Magister Konya von Pre\u00dfburg und der Graner Bischof, S\u00f6hne des siebenb\u00fcrgischen Woiwoden Thomas, treten Martinsdorf und die benachbarte Ortschaft Ges\u00e4\u00df im Tausch gegen Seiden und Bulkesch an den Gr\u00e4fen Johann von Heltau ab.<\/li><li><strong>1373<\/strong>&nbsp;verleiht Gregor XI. die Pfarrstelle von Zied dem Pfarrer Michael von Martinsdorf.<\/li><li><strong>1399<\/strong>: Johann, ein Sohn des Michael von Martinsdorf l\u00e4\u00dft sich die Verleihungsurkunde beglaubigen.<\/li><li><strong>1414<\/strong>: Im Streit der Pfarrer um den Zehnten spricht der Bischof von Wei\u00dfenburg, Gentilis, dem Schelker Kapitel den ganzen Zehnten zu. Eine Inschrift mit der Jahresangabe 1414 auf einem Balken des Turmes belegt, da\u00df es in dieser Zeit bereits eine steinerne Kirche mit Turm gibt.<\/li><li><strong>1458-1490<\/strong>: Unter K\u00f6nig Mathias Corvinus bef\u00fcrchten die Adligen eine Beschr\u00e4nkung ihrer Rechte in Martinsdorf.<\/li><li><strong>1490-1519<\/strong>: Verheerende T\u00fcrkenkriege, die auch Martinsdorf schwer in Mitleidenschaft ziehen.<\/li><li><strong>1520<\/strong>: Johann Lulay, K\u00f6nigsrichter von Hermannstadt, der die Besitzungen von Martinsdorf von Nikolaus Bethlen erworben hat, vererbt diese an seinen Schwiegersohn, den Sachsengrafen Markus Pempflinger.<\/li><li><strong>1521<\/strong>: Abgeordnete der Sieben St\u00fchle teilen Wei\u00dfendorf an die Gemeinden Almen, Meschen, Mortesdorf und Martinsdorf auf. Damit wird Wei\u00dfendorf aufgel\u00f6st.<\/li><li><strong>1703-1707<\/strong>: Martinsdorf wird in den Kurutzenkriegen von Adligen belagert und drangsaliert.<\/li><li><strong>1738<\/strong>: In nur drei Monaten sterben 100 Menschen an der Pest, das Dorf z\u00e4hlt danach nur noch 508 Seelen.<\/li><li><strong>1787<\/strong>: Die Bewohner protestieren beim Gubernium gegen das Vorhaben, den Amtssitz des Oberwei\u00dfenburger (Oberalbenser) Komitats nach Martinsdorf zu verlegen. 1790 erhalten sie einen abschl\u00e4gigen Bescheid.<\/li><li><strong>1800<\/strong>&nbsp;zieht die Oberbeh\u00f6rde des Oberalbenser Komitats endg\u00fcltig in die in Martinsdorf errichteten Geb\u00e4ude ein und bleibt dort bis 1849. Martinsdorf ist damit Vorort des Oberalbenser Komitats.<\/li><li><strong>1836<\/strong>: Bau einer neuen Schule.<\/li><li><strong>1861-1863<\/strong>: Die alte Kirche wird abgetragen, eine neue und gr\u00f6\u00dfere Saalkirche wird errichtet. Bei der festlichen Einweihung am 22. November 1863 wird Dr. Martin Schenker, geb\u00fcrtiger Martinsdorfer, der den Vorsitz des Gustav-Adolf-Vereins in Wien inne hat, herzlich empfangen.<\/li><li><strong>1889<\/strong>: Das Gef\u00e4ngnis und die seit 1849 leerstehenden Geb\u00e4ude der Oberalbenser Komitatsbeh\u00f6rde werden von den Martinsdorfern abgerissen.<\/li><li><strong>1896<\/strong>&nbsp;wird die Kirche abgetragen, die zum Teil bauf\u00e4llig war.<\/li><li><strong>1898-1899<\/strong>&nbsp;wird eine neue Schule gebaut und eingeweiht. Die Dreifelderwirtschaft wird durch die Kommassation aufgel\u00f6st, es werden Obstb\u00e4ume angepflanzt, die H\u00e4nge werden landwirtschaftlich genutzt. Viele Familien wandern nach Amerika aus, weil die Weinberge durch die Peronospora zerst\u00f6rt werden und die Ertr\u00e4ge keine Existenzgrundlage mehr sichern.<\/li><li><strong>1914-1919<\/strong>: Zahlreiche M\u00e4nner m\u00fcssen an die Front, 21 fallen, viele werden verletzt. Anschlu\u00df an Rum\u00e4nien. 1920-21: Aufgrund rum\u00e4nischer Reformen werden 518 Hektar Wald enteignet und den Gemeinden Ghijiasa, Vecerd und Birgis zugeteilt. F\u00fcr die Gemeinde bedeutet das einen gro\u00dfen Verlust.<\/li><li><strong>1924<\/strong>: Gemeindesaal wird gebaut. Zwischen zwei s\u00e4chsischen H\u00f6fen (Seiler\/Hartmann) wird die rum\u00e4nische Schule errichtet.<\/li><li><strong>1930<\/strong>: Volksz\u00e4hlung: 694 Sachsen, 130 Rum\u00e4nen und Zigeuner, 3 Ungarn.<\/li><li><strong>1931<\/strong>: Kultureller H\u00f6hepunkt im Dorfleben: &#8222;Wilhelm Thell&#8220; wird aufgef\u00fchrt.<\/li><li><strong>1932<\/strong>: D\u00f6rrobst- und Marmelade-Haus wird errichtet, eine neue Friedhofskapelle gebaut. 1933 entsteht eine neue Baumschule, Obstg\u00e4rten und neue Weinberge werden angelegt. Die Schwesterschaft kauft einen neuen Webstuhl, womit Stoffe f\u00fcr Trachten gewebt werden; die Bruderschaft veranstaltet Fortbildungskurse; im allgemeinen herrscht in den Wintermonaten ein reges Nachbarschafts- und Vereinsleben.<\/li><li><strong>1939-1945<\/strong>: Im Zweiten Weltkrieg m\u00fcssen 167 M\u00e4nner an die Front, 33 fallen oder sind vermi\u00dft.<\/li><li>14. Januar&nbsp;<strong>1945<\/strong>: In der Nacht werden die Sachsen aus ihren H\u00e4usern in den Saal getrieben, 134 werden zur Zwangsarbeit nach Ru\u00dfland verschleppt. In den f\u00fcnf Jahren sterben 14 Leute aus Martinsdorf. Viele werden aus der Sowjetunion nach Deutschland entlassen, andere machen sich auf den Weg nach Rum\u00e4nien.<\/li><li>23. M\u00e4rz&nbsp;<strong>1945<\/strong>: V\u00f6llige Enteignung, auch das Getreide aus dem Keller wird den Leuten weggenommen; sie bleiben bettelarm. 106 Kolonisten-Familien kommen aus dem Westgebirge, und mit ihnen mu\u00df man bis 1956\/1958 Haus und Hof teilen. Die Kolonisten ziehen schlie\u00dflich weg, weil sie nicht in die 1954 gegr\u00fcndeten LPG eintreten wollen. Viele Sachsen arbeiten auf der Staatsfarm, die 1950 gegr\u00fcndet wurde. Das Leben im Dorf normalisiert sich. Die H\u00e4user, die man vom Staat zur\u00fcckerhalten hat, werden renoviert.<\/li><li><strong>1959<\/strong>: Einf\u00fchrung des elektrischen Stroms.<\/li><li><strong>1958<\/strong>: Erste Bewohner reisen nach Deutschland aus; in den 70er Jahren folgen immer mehr. Im Dorf sind wenige Verdienstm\u00f6glichkeiten, man ist von der Stadt abgelegen, und so zerstreuen sich die Martinsdorfer auch in Siebenb\u00fcrgen.<\/li><li><strong>1987<\/strong>&nbsp;leben 440 geb\u00fcrtige Martinsdorfer (zum Teil zerstreut) in Rum\u00e4nien, 404 in anderen L\u00e4ndern.<\/li><li><strong>1995<\/strong>&nbsp;wohnen etwa noch 55 aus Martinsdorf geb\u00fcrtige Sachsen in Rum\u00e4nien, davon 25 in der Heimatgemeinde. 716 Martinsdorfer leben verstreut in Deutschland, \u00d6sterreich, Kanada, den USA und anderen L\u00e4ndern.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><em>von Daniel Schobel<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.siebenbuerger.de\/ortschaften\/martinsdorf\/informationen\/\">www.siebenbuerger.de\/ortschaften\/martinsdorf\/informationen\/<\/a> )<\/p>\n\n\n\n<p>\n\nerschienen in der Siebenb\u00fcrgischen Zeitung, 31. M\u00e4rz 1996\n\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entstehung der Ortschaft Martinsdorf Als Gr\u00fcndungsjahr wird das Jahr 1290 angenommen, wobei man eher von einer \u201eAnlage\u201c spricht, denn nicht der gemeinschaftliche Entschluss der Ansiedler brachte die Gemeinde zustande, sondern der Will eines Einzelnen. K\u00f6nig Ladislaus, der Kuman (1272 \u2013 1290) schenkte oder verkaufte die Besitzung Martinsdorf dem Grafen Nikolaus von Talmesch. 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